18
Apr 2019

Mac oder PC - Welches Betriebssystem eignet sich für meine Arztpraxis?

Sie planen den Schritt in die Selbstständigkeit und wollen Ihre eigene Praxis eröffnen? Dann müssen Sie sich nebst vielem auch mit der Informatik auseinandersetzen und sich für ein Betriebssystem entscheiden: Microsoft Windows oder Apple macOS. Beide sind erstklassige Betriebssysteme mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen.

Lange Zeit gab es für Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen nur Windows-Computer als Option für die elektronische Praxisverwaltung. Für die Produkte von Apple existierten kaum Programme, die im medizinischen Alltag bestehen konnten. Dies änderte sich spätestens 2007, als Apple mit seinem iPhone die Welt der Kommunikation revolutionierte. Seither sind die Absatzzahlen von Apple-Geräten kontinuierlich gestiegen: Produkte wie iPads, MacBooks oder iMacs finden mittlerweile reissenden Absatz. Dank des zunehmenden Angebotes von Praxisprogrammen, die mit macOS kompatibel sind, gehören heute auch Produkte von Apple in vielen Arztpraxen zum festen Inventar. Das Betriebssystem Linux spielt in diesem Umfeld eine untergeordnete Rolle.

Kriterium 1: Benutzerfreundlichkeit

Windows punktet mit seiner Markenvielfalt. Zwar muss mehr konfiguriert werden, aber Hersteller und Produktlinien können gemischt werden: Festplatten lassen sich austauschen, upgraden etc. Zu beachten ist jedoch, dass bei solchen Mischumgebungen der Wartungsaufwand höher sein kann. Wir empfehlen eine Standardisierung der eingesetzten Produkte.

Windows bietet ausserdem die grössere Auswahl an Zusatzprogrammen. Dies kommt in der Praxis für bestimmte Fachrichtungen zum Tragen, wenn Sie zum Beispiel spezielle Zusatzsoftware zur Auswertung von Analysen benötigen.

Wer ein einfach zu bedienendes Komplettsystem will, ist mit Apple gut bedient. Die Geräte geniessen den Ruf, sehr benutzerfreundlich und ausdauernd zu sein. Umsteiger müssen sich allerdings daran gewöhnen, dass die Tastenkombinationen anders sind und dass einige Programme wie Microsoft Office anders funktionieren und aussehen, als sie es von Windows gewohnt sind. Neueinsteiger müssen sich bewusst sein: Mit ihrer Wahl für Apple entscheiden sie sich klar für die Apple-Linie. Dies bedeutet: no Android Phones! Mischsysteme in der Praxis und zu Hause sind kaum sauber in Betrieb zu nehmen.

Kriterium 2: Design

Spielt das Aussehen des Rechners eine Rolle, ist ein MacBook oder iMac sicher eine gute Wahl. Doch hat auch Microsoft in Sachen Design stark zugelegt. So können inzwischen gewisse Windows-Geräte sowohl als Laptop wie als Tablet verwendet werden. Im Gegensatz zu Apple-Geräten sind neuere Windows-Modelle ausserdem touchscreenfähig.

Kriterium 3: Sicherheit

Neben ästhetischen Gesichtspunkten nennen Apple-Befürworter vor allem die Unempfindlichkeit von macOS gegenüber Viren wie auch seine Systemstabilität als Vorteile. Die Systemupdates laufen nahezu unbemerkt. Diese Vorteile der Macs könnten allerdings ihrer zunehmenden Popularität zum Opfer fallen. Vor einigen Jahren waren sie noch so wenig verbreitet, dass Hacker sich für sie als Verteilungsmedium für Viren schlichtweg nicht interessierten. Das ändert sich bereits mit der steigenden Zahl der Nutzer und Geräte. Demgegenüber tendieren die Ausfälle von Windows-Systemen inzwischen gegen null, sofern sie fachgerecht installiert und betreut werden. Die sensiblen Patientendaten werden zunehmend in sicheren Rechenzentren gespeichert (Stichwort: Cloud Computing).

Dennoch bleibt ein Sicherheitskonzept für Ihre Praxis und damit verbunden eine professionelle Beratung Ihres IT-Partners unerlässlich. Gleich ob lokal betrieben oder in der Cloud, auch die Endgeräte (Clients) müssen vor Gefahren geschützt werden.

Im Hinblick auf die Sicherheit ist der Aufwand bei Windows-Geräten höher als bei Apple. Nicht selten erweist sich aber das Verhalten des Benutzers als grösstes Sicherheitsrisiko.

Kriterium 4: Preis

Tendenziell ist der Anschaffungspreis der Geräte bei Apple höher, da Apple kein Billigpreissegment kennt. Doch die oft längere Lebensdauer sowie die einfachere und schnellere Konfiguration der Mac-Computer im Netzwerk spricht wiederum für eine Kostenersparnis, sodass der Preisunterschied beim Kauf nicht gross zum Tragen kommt. Wenn Sie sich für eine lokale Lösung mit eigenem Server entscheiden, können Windows-Lösungen aufgrund der höheren Anschaffungs- und Betriebskosten unter Umständen sogar mittelfristig teurer sein.

Kriterium 5: Kompatibilität

Für Standardprozesse, die externe Schnittstellen wie Labor, Online-Termine, e-Rezepte oder Bestellungen nutzen, spielt das Betriebssystem keine Rolle. Moderne Systeme binden solche Prozesse als sogenannte Services in der Cloud an, nicht als lokale Schnittstellen.

Betrachten wir die internen Schnittstellen wie Röntgen, EKG, Lungenfunktion etc., so basiert die Mehrheit der dazugehörigen Software auf Windows. Der Mac-User ist hier gezwungen, einen Windows-PC in seinem Netzwerk zu betreiben. Viele unserer Kunden handhaben dies so, und es stellt kein Hindernis für ein Apple-Betriebssystem dar. Es bedingt jedoch eine klare Definition, welches das führende Betriebssystem in der Praxis ist.

Wichtiger als das Betriebssystem: die Wahl Ihres Software-Partners

Pragmatisch gesehen dient der Computer dazu, Informationen in strukturierter oder unstrukturierter Form ins Praxisinformationssystem einzugeben, um sie bei Bedarf abzurufen oder weiterzuleiten. Der Computer, genutzt in unzähligen Stunden, ist ein arbeitsunterstützendes Werkzeug. Sie müssen damit klarkommen und sich in der Bedienung wohlfühlen. Besonders der Arzt und die MPA als Hauptbenutzer sollten wenig Kompromisse eingehen müssen, entscheidet doch die tägliche Effizienz bei der Nutzung der Software, wie viel Zeit für die Patienten übrig bleibt.

Nicht selten kommt es vor, dass Ärzte ihre Arbeit am Computer zu Hause fertig erledigen. Dabei erweist es sich als entscheidender Vorteil, an beiden Orten das gleiche Betriebssystem zu nutzen. Es sind die kleinen Differenzen, die zu Unmut führen. So können etwa die verschiedenen Tastenkombinationen in den Programmen oder die unterschiedlichen Funktionen von Microsoft Office bei Mac und Windows zu Fehlern bzw. Umwegen in der Handhabung führen.

Es gibt also keinen eindeutigen Sieger bei den Betriebssystemen. Die Entscheidung ist individuell und darf von der Affinität der Praxismitarbeitenden zu Windows oder Mac abhängig gemacht werden.

Ein letzter Tipp: Mit dem richtigen IT- Partner können beide Systeme reibungsfrei in den Praxisalltag eingebunden werden. Bedeutender als die Wahl des Betriebssystems ist die Wahl des Praxisinformationssystem-Anbieters. Sie gehen hier im Normalfall eine Partnerschaft ein, die über viele Jahre dauert, und müssen sich wohlfühlen mit Ihrer Partnerfirma und den zuständigen Mitarbeitenden. Achten Sie auf die Effizienz bei der Nutzung der Software.

 

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Medizin und Ökonomie (Nr 1, März 2019) erschienen.